Hintergrundinformationen zum Repair Café

 

Was ist ein Repair Café?

 Das Repair Café ist eine Veranstaltung, die sich ums Reparieren dreht. Am Veranstaltungsort des Repair Cafés ist Werkzeug und Material vorhanden, um alle möglichen Reparaturen auszuführen. Auch sind kundige ehrenamtliche Helfer anwesend, die Reparaturkenntnis und -fertigkeiten auf verschiedenen Gebieten mitbringen. Besucher nehmen von zu Hause kaputte Gegenstände mit. Im Repair Café nehmen sie, mit Hilfe der Experten, selbst die Reparatur in Angriff. Wer nichts zu reparieren hat, trinkt etwas oder hilft jemand anderem bei der Reparatur.

 

Wozu ein Repair Café?

 Wir werfen in unserem Alltag Unmengen weg. Auch Gegenstände, an denen nicht viel kaputt ist und die nach einer einfachen Reparatur problemlos wieder verwendet werden könnten. Leider ist das Reparieren bei den meisten Menschen aus der Mode gekommen. Sie wissen einfach nicht mehr, wie man Dinge repariert. Das Wissen, wie man Dinge repariert, verschwindet schnell. Das Wissen und Können wird nicht oder nur sehr selten genutzt. Repair Café ändert das! Es findet ein wertvoller praktischer Wissensaustausch statt. Gegenstände sind auf diese Weise länger brauchbar und werden nicht weggeworfen. Die Grundstoff- und Energiemenge, die für die Herstellung neuer Produkte erforderlich ist, wird somit gespart. Das gilt auch für die CO2-Emissionen. Denn bei der Herstellung neuer Produkte und beim Recycling von Gebrauchtgegenständen wird CO2 freigesetzt.

Im Repair Café lernen Menschen, Gegenstände auf andere Weise wahrzunehmen. Und sie ganz neu wertzuschätzen: Das Repair Café trägt zu einer Mentalitätsveränderung bei. Das ist dringend nötig, wenn Menschen für eine nachhaltige Gesellschaft eintreten sollen. Im Mittelpunkt steht jedoch, dass Repair Café zeigen möchte, dass Reparieren auch viel Spaß macht und relativ einfach ist. Komm vorbei und versuche es selbst!

 

Wer hat sich das Konzept „Repair Café” ausgedacht?

 Das Repair Café ist eine Initiative von Martine Postma aus Amsterdam, der Hauptstadt der

Niederlande. Sie setzt sich - als Journalistin, Publizistin, Lokalpolitikerin, Unternehmerin, Nachbarin und Konsumentin - bereits viele Jahre für Nachhaltigkeit auf lokaler Ebene ein. Insbesondere für die Verringerung der Abfallmengen, die wir alle gemeinsam produzieren.

 

Wann und wo fand das allererste Repair Café statt?

 Das erste Repair Café fand im Oktober 2009 in Amsterdam-West statt. Martine Postma organisierte diese - in erster Instanz einmalig geplante - Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Stadt Amsterdam.

 

Wie ging es nach diesem ersten Mal weiter?

 Das allererste Repair Café wurde ein solcher Erfolg, dass Martine Postma anschließend damit fortfuhr. Im Jahr 2010 organisierte sie an verschiedenen Orten in Amsterdam diverse Repair-Café-Treffen. Diese stießen auf immer mehr Interesse, sowohl bei Menschen im ganzen Land als auch bei den Medien. Mittlerweile werden an vielen hunderten Orten weltweit Repair Cafés organisiert.

 

Wann und durch wen wurde die Stichting Repair Café errichtet?

 Stichting Repair Café wurde im März 2010 von Martine Postma gegründet. Die Stiftung hat ihren Sitz in Amsterdam (Niederlande).

 

Welche Ziele verfolgt die Stichting Repair Café?

Die Stichting Repair Café hat sich zum Ziel gesetzt

a) Reparieren auf moderne Weise auf lokaler Ebene wieder in die Gesellschaft zu tragen;

b) Reparaturwissen zu erhalten und zu verbreiten;

c) den sozialen Zusammenhalt der Gemeinschaft vor Ort zu fördern, indem Nachbarn mit verschiedenen sozialen Hintergründen und Interessen im Rahmen einer inspirierenden und

     einladenden Veranstaltung miteinander in Kontakt gebracht werden.

 

Die Reparaturen im Repair Café sind gratis. Ist das kein unfairer Wettbewerb professionellen Reparaturanbietern wie einem Nähatelier oder einem Fahrradmechaniker gegenüber?

Die Leute, die Repair Cafés besuchen, sind in dem Moment nicht Kunde bei einem professionellen Reparateur. Es sind Menschen, die ihre kaputte Nachttischlampe, ihren Stabmixer, Stuhl oder ihre Jacke jetzt wegwerfen würden, weil die Reparatur teurer wäre als ein neues Produkt. Dadurch, dass diesen Menschen im Repair Café im Tausch gegen einen freiwilligen Beitrag geholfen wird, vermeiden wir, dass sie etwas Neues kaufen müssen. Dadurch entsteht keine Konkurrenz zu professionellen Reparaturanbietern, sondern eher zu Fabrikanten, die möchten, dass man seine alten Dinge wegwirft und neue kauft. Außerdem lernen Besucher im Repair Café, dass Gegenstände viel häufiger und einfacher repariert werden können, als man vielleicht denkt. Dadurch wächst eher die Wahrscheinlichkeit, dass sie künftig doch auch einmal die Dienste eines professionellen Reparateurs in Anspruch nehmen, als dass sie abnimmt. Schließlich sei gesagt, dass man früher zu Hause alles Mögliche selbst reparierte und es zugleich verschiedenste professionelle Reparateure gab. Die Vorstellung, dass selbst zu reparieren eine Konkurrenz zu professionellen Reparateuren darstellt, stützt sich also nicht auf Erfahrungen aus der Vergangenheit. Die Ursache dafür, dass es professionelle Reparaturanbieter schwer haben und sie immer weniger werden, liegt an anderer Stelle in unserem Wirtschaftssystem.